Stellungnahme des antidiskriminierungsbüros mannheim e.V., 4. März 2018 Zur Entscheidung des Capitols, die Sarotti-Werbeanlage hängen zu lassen

Das antidiskriminierungsbüro mannheim e.V. (adb) bedauert sehr die Entscheidung des Capitols, die Sarotti-Werbung hängen zu lassen (wenn auch in „veränderter Haltung“). Das adb hat dem Capitol in zahlreichen Gesprächen empfohlen, die Sarotti-Werbung abzuhängen und einen geeigneten Platz für sie in Mannheim zu finden, an dem koloniale Kontinuitäten aufgezeigt und aufgearbeitet werden könnten. Damit gelänge es sehr viel besser, die Auseinandersetzung mit dem Thema fortzuführen und einen längerfristigen Veränderungsprozess in der Stadtgesellschaft zu befördern.

Auch hat das adb sich dafür stark gemacht, dass mehr Betroffenenvertreter*innen sowie Expert*innen zur Kolonialgeschichte in den Entscheidungsfindungsprozess einbezogen werden sollen. Die Zusammensetzung des Beratergremiums wird dem –  aus Sicht des adb – nicht gerecht. Die Stimmen der Betroffenen und ausgewiesenen Expert*innen halten wir für relevanter als die Meinungsäußerungen von vielen Nicht-Betroffenen.

 

Der Sarotti-M. ist ein eindeutiges kolonialrassistisches Zeugnis. An dieser Tatsache ändern weder die Absicht, die Haltung der Figur von einem Kreativteam verändern zu lassen, noch der Umstand etwas, dass der Erschaffer der Figur, der Künstler Gipkens, selbst rassistischer Verfolgung ausgesetzt war. Die Sarotti-Werbung ist ein Paradebeispiel von wiederkehrender Alltagsdiskriminierung.

Die positive Absicht der Capitol-Betreibenden, die Sarotti-Figur zum Symbol für ihren Wunsch werden zu lassen, „mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben“, steht nach Ansicht des adb in keinem Verhältnis zu den Verletzungen, die ebendieses Symbol bei den Betroffenen auslöst. Der, wenn auch veränderte, Sarotti-M. führt zur Assoziation kolonialrassistischer Herrschaft – ob bewusst oder unbewusst. Der Dialog könnte auch fortgeführt werden, ohne dass die Werbeanlage im Capitol hängen bleibt.

Eine demokratische, rassismuskritische Gesellschaft darf nicht hinnehmen, dass Alltagsrassismus, wie in Form des Sarotti-M., in öffentlichen Kultureinrichtungen präsent ist. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Betroffene immer wieder und unfreiwillig mit dem Thema konfrontiert werden und Kolonialrassismus dadurch immer wieder reproduziert wird.

Das Capitol möchte mit den Aktionstagen „Kein Platz für Rassismus“ im dauerhaften Gespräch mit der Bevölkerung bleiben und seinen „Anteil auf dem Weg zu einer rassismusfreien Gesellschaft“ leisten. Das begrüßen wir. Durch den Sarotti-M. über der Theke gibt es jedoch dem Alltagsrassismus einen Platz im eigenen Haus. Und das ist mehr als bedauerlich.

Passende Links zum Thema:

Masagtja Diskussionsrunde am 19.02.2019

Kommunalinfo Mannheim

Rheinpfalz

Mannheimer Morgen

RNZ

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